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ADHS mit Neurofeedback behandeln

Die Aufzeichnung der hirneigenen Stromproduktion im zeitlichen Verlauf per Schreiber oder Monitor wird seit vielen Jahrzehnten von Medizinern in der Diagnostik neurologischer und psychiatrischer Phänomene genutzt: man nennt das EEG (Elektroencephalogramm=Hirnstromaufzeichnung). Diese Hirnstromableitungen, (gewonnen über Meßfühler, die an die Kopfhaut geheftet werden), unterscheiden sich hinsichtlich der produzierten Frequenzen und der anteiligen Auftretens-Häufigkeit an bestimmten definierten Ableitungspunkten. Besonders viele oder wenige Wellen einer bestimmten Frequenz an einem bestimmten Hirnareal lassen Rückschlüsse über die Funktion des Gehirnes und über die Ursachen bestimmter Verhaltenszustände zu. Diese Art der Diagnostik ist Standard und findet in jeder neurologischen Praxis statt. Nicht Neues also.

ADHS mit Neurofeedback behandeln

ADHS mit Neurofeedback behandeln

Neu ist aber, daß auch der Laie inzwischen mit Hilfe computergestützter Technik und ohne vorherige Schulung eine Rückmeldung über seine elektrische Gehirnaktivität erhalten kann. Man nennt diese Rückmeldung (dieses feedback) der eigenen Gehirnaktivität Neurofeedback. Wenn es nun möglich ist, krankheitsrelevante Hirnwellenfrequenzen dem Betroffenen optisch sichtbar zu machen, so müßte es doch möglich sein, darauf Einfluß zu nehmen,-so sagten sich die Hirnforscher. Und genau das ist möglich: mit Hilfe eines therapeutisch begleiteten Lernprozesses, der in der Verhaltensmedizin operantes Konditionieren genannt wird, wird der Übende bzw. der Patient befähigt, zunächst bestimmte Verhaltenszustände (z.B. Aktivierung und Konzentration bzw. Entspannung) bestimmten Monitorereignissen zuzuordnen, später willentlich und zuletzt in Form eines Automatismus Kontrolle über diese Wellen und damit die Verhaltenszustände zu gewinnen.

Neurofeedback ist in der Lage, bei vielen chronischen Krankheiten nichtmedikamentös und durch Rekrutierung körpereigener Ressourcen wirksam zu helfen. Eine Vielzahl qualitativ hochwertiger universitärer Studien zeigt für einige Störungen (Migräne, posttraumatische Belastungsstörung, Angsterkrankungen, Kinderkopfschmerz, Autismus, chronischer Schmerzkrankheit, Fibromyalgie, myofasziales Syndrom, Depression, Burn-out-Syndrom), aber auch bei ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom). Eltern von ADHS-Kindern standen bislang vor der Wahl, ihre Kinder mit Stimulantien behandeln zu lassen, die der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung unterliegen und zahlreiche problematische Nebenwirkungen haben: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme, Depressionen, Nervosität. Zudem helfen die Medikamente nur in etwa der Hälfte der Fälle.

Die Aktivierung der Hirnrinde ist bei ADHS-Patienten gestört: die Amplituden der langsamen Frequenzen (SCP=slow cortical potentials) dominiert trotz Wachheit. Wie oben beschrieben, erlernt der Patient in einem ersten Schritt, geistige Erregungs- und Konzentrationszustände einem Feedbackobjekt auf dem Monitor zuzuordnen: ein Flugzeug begibt sich in den Steigflug bei Aktivierung und in den Landeanflug bei Berugung. Im sogenannten Transfermodus bleibt das Feedbackobjekt (der Flieger) verborgen und es wird lediglich rückgemeldet, ob die Bemühung erfolgreich war (Token, lachende Sonne, Smilie). Vor allem das Training der Aktivierung bewirkt günstige Verhaltensänderungen bezüglich Impuls- und Selbststeuerung. Die Erfolge sind langanhaltend, im Gegensatz zur medikamentösen Therapie, deren Wirkung nach Absetzen der Medikation nicht nur endet sondern sogar ein Entzugssyndrom auslösen kann. Einzige Voraussetzung für erfolgreiche Neurofeedbackbehandlung bei ADHS in der Praxis ist die ausreichende Motivation des Patienten und die Möglichkeit und Bereitschaft der Eltern, die Therapie selbst zu bezahlen. Wie auch andere Psychotherapien (Neurofeedback gehört zu den Verhaltenstherapien) ist mit einem Erfolg nach 20 bis 30 Sitzungen zu rechnen. Gut motiviete Patienten erlangen eine sichere Selbststeuerung können die Therapie schon deutlich früher beenden.

Dr.med.Dipl.Biol. Peter Tamme
Heinrich-Böll-Str. 34
21335 Lüneburg
www.die-schmerzpraxis.de
www.wege-aus-der-depression.de