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Graf von Wurmbrand-Stuppach: Das grüne Internet zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Das Internet macht unsere Kommunikation schneller, flexibler und lebendiger – und im Idealfall deutlich umweltfreundlicher. Denn das wäre im Zeitalter von Nachhaltigkeit und Co. ein angenehmer Nebeneffekt des World Wide Webs: Der Ausstoß an Schadstoffen in die Luft lässt nach, fossile Brennstoffe werden weniger verbraucht, und die Umweltbilanz der größten Unternehmen des Landes wird deutlich besser. Das allerdings scheint ein Wunschtraum zu sein, wenn man der aktuellen Berichterstattung von Zeit Online zum Thema Green IT glauben darf.

Graf von Wurmbrand-Stuppach: Das grüne Internet zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Graf von Wurmbrand-Stuppach: Das grüne Internet zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Erst vor wenigen Tagen hatte Greenpeace den amerikanischen Micro-Blogging-Dienst Twitter mehrfach mit der Note „Ungenügend“ ausgezeichnet. Untersucht wurden von Greenpeace Fragestellungen wie die Standortentscheidung der zehn größten IT-Unternehmen, aber auch die Transparenz ihrer Informationen in Sachen Energieverbrauch. Und gerade die Transparenz lässt zu wünschen übrig, denn wie argumentiert der deutsche Google-Pressesprecher Ralf Bremer nur auf Anfrage: „Google verfolgt bereits seit rund fünf Jahren das Ziel, CO2-neutral zu arbeiten.“ Der Umweltexperte und Unternehmensberater Oliver Graf von Wurmbrand-Stuppach, sieht jedoch gerade beim Suchmaschinenriesen noch Potential: “Google hat in den letzten Jahren sicherlich anerkennenswerte Bestrebungen in Richtung Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion unternommen, dennoch sehe ich gerade bei Google die Chance eine globale Vorreiterrolle in Sachen Green IT zu übernehmen.”

Nackte Zahlen darf man aus der Greenpeace-Studie nicht erwarten, vielmehr geht es darum, Aufmerksamkeit zu schaffen und den Blick auf dieses große Thema zu lenken, das mit handfesten Daten kaum zu belegen ist. Wer weiß schon, wie viel Energie die Nutzung der häufig zitierten Cloud kostet? Und wer kann schätzen, wie viel ein Laptop kostet, das rund um die Uhr im Einsatz ist? Nicht verwunderlich ist dann auch der psychologische Ansatz, das mangelnde Interesse der Verbraucher an solchen Fragen zu erklären: „Wir können die Energieverbräuche beim Autofahren quantifizieren, doch bei der Nutzung des Internets funktioniert das noch nicht. Die Verbraucher müssen gerade auf das Thema Green IT sensibilisiert werden, denn gerade die weltweit gigantische IT-Struktur bietet ungeheures Potential für erneuerbare Energien”, so von Wurmbrand-Stuppach.

So belegt die Greenpeace-Studie dann auch, dass hier noch gravierender Handlungsbedarf besteht, bis das Internet wirklich zum grünen Kommunikationsmedium avanciert. Facebook sei hier schon einen Schritt weiter: “Facebook baut gegenwärtig ein Serverzentrum in Skandinavien um durch die niedrigen Außentemperaturen den Energieverbrauch für traditionelle Klimaanlagen und Serverkühlsysteme signifikant zu verringern“, weiß Oliver Graf von Wurmbrand-Stuppach. “Gerade die skandinavischen Länder könnten durch die klimatischen Gegenheiten zu einer weltweiten Datendrehscheibe werden”. Energieschonende Server- und IT-Strukturen könnten für Skandinavien neue Wirtschaftsfelder aufbereiten.

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