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Ist die natürliche Verhütung eine sichere Alternative zur Antibabypille?

Obwohl die Antibabypille bis heute das beliebteste Verhütungsmittel der Frau ist, wird die hormonelle Verhütung nicht von jedem vertragen und einige Frauen, wünschen eine Verhütung ohne Eingriff in den natürlichen Hormonhaushalt. Häufig ist dabei jedoch unklar, ob eine natürliche Verhütung eine gleichwertige Sicherheit bietet, wie die Antibabypille, die mit einem Pearl Index* von 0.1 bis 0.9 (in Abhängigkeit vom Präparat), zu den sichersten Verhütungsmethoden zählt. Im folgenden werden die wichtigsten Methoden der natürlichen Verhütung vorgestellt.

Was bedeutet natürliche Verhütung?

Ist die natürliche Verhütung eine sichere Alternative zur Antibabypille?

Bild: © Piotr Adamowicz/ shutterstock

Als natürliche Verhütung gelten alle Methoden, die nicht auf hormonelle, chemische oder operative Mittel zurückgreifen. Grundlegend basieren alle Methoden auf dem Prinzip der Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage. Immer an den fruchtbaren Tagen (ca. sechs bis sieben Tage) wird dann auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder auf Barrieremethoden (z.B. Kondom oder Diaphragma) zurückgegriffen. Grundsätzlich erfolgt der Eisprung etwa 14 Tage vor Beginn der Monatsblutung. Die Zuverlässigkeit der natürlichen Methoden wird immer wieder diskutiert und unterscheidet sich individuell. Nebenwirkungen müssen Frauen jedoch nicht fürchten.

Temperaturmethode

Die Temperaturmethode basiert auf der Bestimmung der Tage nach dem Eisprung mit Hilfe der Körpertemperatur. Frauen müssen dabei täglich die Aufwach- bzw. Basaltemperatur, direkt nach dem Aufwachen messen und in einem speziellen Kalender notieren. Direkt nach dem Eisprung steigt die Basaltemperatur um einige zehntel Grad (0.4-0.6 Grad) und bleibt bis zur Menstruation auf diesem Niveau. Mithilfe der Temperaturkurve des Kalenders können Frauen die Entwicklung gut nachvollziehen. Der Zeitraum drei Tage nach des Temperaturanstiegs bis zum Beginn der Periode gilt als sichere, unfruchtbare Zeit. Man kann den Zeitraum zudem um sieben Tage vor dem Temperaturanstieg ausweiten, was jedoch nicht als sehr sicher gilt. Der Pearl Index liegt entsprechend zwischen 0.8 bis 3, je nachdem ob die strenge oder erweiterte Form angewandt wird.

Billings-/Zervixschleim-Methode

Bei der Billings-Methode ermittelt die Frau den Eisprung anhand der Untersuchung des Zervixschleims, daher wird sie auch Zervixschleim-Methode genannt. Der Schleim wird mit einem Tupfer selbst entnommen und dessen Farbe sowie Beschaffenheit notiert. Einige Tage vor dem Eisprung ist ein vermehrter Ausfluss bemerkbar, der immer klarer und flüssiger wird, bis er eine fadenziehende Konsistenz annimmt. Ist der Eisprung erfolgt, so wird der Zervixschleim wieder milchig-trüb und zäh. Beginnt der Ausfluss entsprechend klar und flüssig zu werden, stellen sich die fruchtbaren Tage ein. Da es gerade zu Beginn schwer sein kann, Farbe und Konsistenz des Schleims, korrekt zu bestimmen, erreicht diese Methode lediglich einen Pearl Index von 3 bis 5 und gilt als nicht zuverlässig.

Symptothermale Methode

Da die Temperatur- und Billings-Methode allein als nicht ausreichend sicher gelten, wird Frauen für die natürliche Verhütung häufig eine Kombination beider empfohlen. Die Veränderung der Basaltemperatur und des Zervixschleims werden in Beziehung zueinander gesetzt um die Bestimmung der fruchtbaren Tage eindeutiger zu gestalten. Dabei sollte nach Einsetzen des trüben Zervixschleims noch drei weitere Tage erhöhter Temperatur gewartet werden, bis die unfruchtbaren Tage einsetzen. Zusätzlich können Frauen den Muttermund und den Gebärmutterhals betasten, da mit dem Eisprung die Gebärmutterschleimhaut zu wachsen beginnt. Das Aufnehmen und Beobachten der Daten kann heutzutage mit Verhütungs- bzw. Fertilitätscomputern unterstützt werden. Dabei werden Temperatur und Hormonkonzentration durch Abgabe des Morgenurins gemessen und die Werte automatisch festgehalten. Die symptothermale Methode weist einen Pearl Index von 0.4 bis 2.3 auf.

Sichere Alternative?

Die Sicherheit von natürlichen Verhütungsmethoden variiert je nach angewandter Methode, Geübtheit der Frau und einigen beeinflussenden Faktoren. So gilt die symptothermale Methode unter geübten Patientinnen als sehr sicher. Dennoch sollte Frauen bewusst sein, dass Erkrankungen, Medikamente, Schlafmangel, Stress und Scheideninfektionen Einfluss auf die Körpertemperatur oder den Zervixschleim nehmen können. In diesen Fällen können die fruchtbaren Tage nicht eindeutig bestimmt werden. Zudem besteht eine gewisse Abhängigkeit von der Regelmäßigkeit des Menstruationszyklus der Frau. Für eine natürliche Verhütung müssen Frauen außerdem viel Selbstdisziplin mitbringen, die Werte täglich gewissenhaft notieren und sich an den Zeitraum von zwölf bis 14 Tagen gehalten werden, in denen kein Geschlechtsverkehr erfolgen darf oder auf chemische Mittel zurückgegriffen werden muss.

Eine Studie aus dem Jahr 2007 belegt jedoch, dass bei richtiger Anwendung die symptothermale Methode genauso sicher sein kann, wie die Antibabypille. Hierfür wurden im Zeitraum von 1985 bis 2005 900 Frauen, deren Sexualverhalten und Verhütungsmethode untersucht. Demnach ist bei einer natürlichen Verhütung mit Verzicht auf Sex während der fruchtbaren Tage ein Pearl Index von 0.4 erreichbar. Verwendet man hingegen Barrieremethoden während der fruchtbaren Tage so steigt der Index auf 0.6, wobei er jedoch immer noch im Durchschnitt der Antibabypille liegt.

* Pearl Index: Zahl der ungewollten Schwangerschaften unter 100 Frauen innerhalb eines Jahres trotz der verwendeten Verhütungsmethode