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Pflegezeit: Nachfrage geringer als erwartet

Wenn Eltern und Angehörige älter werden und zu pflegen sind, hat das nicht nur einen medizinischen Aspekt. Für alle Betroffenen führt ein Pflegefall in der Familie regelmäßig zu Änderungen im Alltag, die häufig nur schwer zu bewältigen sind. Nicht selten kann der beruflichen Verpflichtung nicht mehr nachgekommen werden, finanzielle Einbußen sind zu verkraften. Auch bauliche Veränderungen in der Wohnung können anstehen, wenn alte Menschen zum Pflegefall werden. Angesichts des zunehmenden Bedarfs an professionellen Pflegekräften und dem vergleichsweise geringen Angebot an Pflegeplätzen in stationären Einrichtungen hat der Gesetzgeber Möglichkeiten geschaffen, wie die Pflege von den Angehörigen unterstützt werden kann. Eine ihrer größten Herausforderungen besteht darin, einen Ausgleich zu schaffen für finanzielle Einbußen, die durch die Übernahme der Pflege von Angehörigen entstehen.

Pflegezeit: Nachfrage geringer als erwartet

Pflegezeit: Nachfrage geringer als erwartet

Wer privat Angehörige zu Hause pflegt, hat zunächst Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So zahlt die gesetzliche Rentenversicherung die Beiträge für die Rentenversicherung, auch wenn der Pflegende vor der Übernahme der Pflegetätigkeit nicht berufstätig war. Da die Versicherungspflicht für pflegende Angehörige per Gesetz besteht, ist nicht einmal eine Beantragung für die Übernahme der Beiträge erforderlich. Lediglich der „Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen“ ist auszufüllen. Ob die Voraussetzungen erfüllt sind, hängt von der Entscheidung der Pflegekasse ab. So darf die Pflege nicht erwerbsmäßig ausgeübt werden, sie gehört also nicht zur beruflichen Tätigkeit. Der zeitliche Umfang muss mindestens 14 Stunden pro Woche in der häuslichen Umgebung ausmachen, außerdem muss er mehr als zwei Monate im Kalenderjahr betragen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen oder die Gesellschaft für medizinische Gutachten (Medicproof) müssen die Notwendigkeit der Pflege bestätigt haben, der Pflegebedürftige muss außerdem Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben. Der Pflegende muss maximal 30 Stunden pro Woche erwerbstätig oder selbständig tätig sein. Und schließlich muss der Wohnsitz in Deutschland, in der Schweiz oder im Europäischen Wirtschaftsraum sein. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, werden die Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt, außerdem werden die Beitragszeiten angerechnet. Somit kann die Pflege von Angehörigen zu einem wichtigen Bestandteil für spätere Rentenansprüche werden.

Häufig sind auch bauliche Veränderungen in Haus und Hof nötig, wenn der Pflegefall eintritt. Ist beispielsweise der Einbau eines Treppenliftes erforderlich, können Betroffene einen Zuschuss für bauliche Veränderungen verlangen. Er hilft, die zum Teil erheblichen Ein- und Umbaukosten überschaubar zu halten. Dieser Zuschuss beträgt derzeit maximal 2.577 Euro, der Eigenanteil liegt bei mindestens zehn Prozent. Damit der Zuschuss genehmigt wird, muss mindestens die Pflegestufe eins vorliegen. Ein solcher Treppenlift kann die Mobilität alter Menschen im eigenen Haus über viele Jahre hinweg erhalten, so dass sie auch im Alter noch lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.

Und letztlich ist auch die Einführung der Familienpflegezeit im vergangenen Jahr ein wichtiger Ansatz, die Pflege zu Hause zu ermöglichen. Allerdings zeigen aktuelle Zahlen leider eine schwache Nachfrage nach dieser Alternative. Insgesamt bleibt der Eindruck, dass die medizinischen Aspekte der Pflege nach wie vor weitaus besser unter Kontrolle sind als die sozialen Auswirkungen in der Familie und bei den Angehörigen.