Presseinformation
Presseinformation Nr. 025 vom 25. Februar 2010
Mit dem Rotlicht-Laser durch's "Schlüsselloch”
Urologen der Universitätsmedizin Göttingen kombinieren "Rotlicht-Laser" und "Schlüsselloch-Technologie". Das Verfahren ermöglicht minimal-invasives Entfernen von Nierentumoren.



(umg) Sechs Prozent aller bösartigen Tumore bei Erwachsenen sind Nierentumore. Mit modernen Diagnostikmethoden, wie dem Ultraschall, lassen sich immer früher auch sehr kleine dieser Tumoren erkennen, oft als so genannter "Zufallsbefund". Damit steigen gleichzeitig die Chancen, diese kleinen Tumoren möglichst organerhaltend und ohne belastende Auswirkungen für den Patienten zu entfernen. Die Urologen der Universitätsmedizin Göttingen (Direktor: Prof. Dr. Rolf-Hermann Ringert) wollen mit der Kombination von zwei bereits etablierten Verfahren genau dies erreichen: Kleine Nierentumore entfernen sie seit neuestem mit dem "Rotlicht-Laser" in Kombination mit der "Schlüsselloch-OP-Technologie", der sog. "Laparoskopie".
"Mit dem "Rotlicht-Laser" haben wir bereits seit über drei Jahren praktische Erfahrungen in der Routine gesammelt. Dies war für uns die Voraussetzung, noch einen Schritt weiter zu gehen: Jetzt nutzen wir zusätzlich die Schlüsselloch-Technologie (Laparoskopie), um den Rotlicht-Laser minimal-invasiv an die Operationsstelle zu bringen", sagt Prof. Dr. Rolf-Hermann Ringert, Direktor der Abteilung Urologie der Universitätsmedizin Göttingen. "Durch die Kombination beider Techniken können wir nun auch kleine Nierentumore sehr schonend und mit geringem Blutungsrisiko entfernen."
Vorteile bringt die Kombination von Laser und Schlüsselloch-Technologie vor allem für die Patienten: "Wir brauchen nur kleine Schnitte in die Bauchdecke zu setzen. Dadurch haben sie weniger Schmerzen. Die Patienten verlieren weniger Blut bei dem Entfernen des Tumors aus der Niere. Die Laser-Behandlung schont zudem das umliegende gesunde Gewebe", sagt Priv.-Doz. Dr. Hagen Loertzer. leitender Oberarzt der Abteilung Urologie. Ein weiterer Vorteil: Die Patienten erholen sich deutlich schneller von der Operation. So können Einweisung und Entlassung eines Patienten innerhalb einer Woche erfolgen. Besonders geeignet ist die Laserbehandlung zudem für Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen.
Einer der ersten Patienten, die mit dem Kombinationsverfahren in der Urologie der Universitätsmedizin Göttingen behandelt wurde, ist Horst Maar. Bei ihm wurde ein 2,5 mal 3 Zentimeter großer Tumor in der Niere festgestellt. Im Februar 2010 hat er sich von den Urologen der Universitätsmedizin Göttingen mit der neuen Methode operieren lassen. "Das kombinierte Verfahren hat mich überzeugt. Natürlich hatte ich auch Angst vor den Risiken, die auftreten können. Aber es ist alles gut gegangen. Ich habe bereits drei Tage nach der OP keine Schmerzen mehr. Doch mein Härtetest kommt noch: Ich wohne im vierten Stock. Da muss ich rauf und es gibt keinen Aufzug", sagt Horst Maar.
Kombiniertes Verfahren: Rotlicht-Laser und Schlüssellochtechnologie
Über drei bis vier kleine Schnitte im Bauchbereich führen die Operateure über so genannte Trokare (chirurgisches Instrument zur Positionierung der Geräte im OP-Bereich) eine Kamera und die Arbeitsinstrumente für die Operation ein. Das gesunde Körpergewebe wird dabei nur wenig verletzt, da die Muskulaturfasern durch die Trokare nicht durchtrennt, sondern nur verdrängt werden. Mit der Kamera wird der Operationsbereich vergrößert auf dem Monitor dargestellt. Auch kleinste Blutgefäße und anatomische Strukturen können so vom Operationspersonal gesehen werden. Mit dem Rotlicht-Laser wird das Tumorgewebe entfernt. Durch die Verwendung des Lasers ist der Blutverlust bei der Entfernung des schadhaften Gewebes gering. Der Operateur hat so ein weitgehend blutfreies Operationsfeld vor sich. Durch den kleineren Wundbereich entstehen nur einige kosmetische Narben, die nur wenige Zentimeter groß sind.
Das Verfahren der Laparoskopie setzen die UMG-Urologen bislang nur zur kompletten Entfernung der Niere und des Harnleiters beim Nierentumor oder Nierenbeckentumor, Entfernung der Nebenniere, Rekonstruktion des Nierenbeckens bei Nierenbeckenabgangsengen, Entfernung von Lymphknoten sowie Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs ein.
Mit dem Rotlicht-Laser werden Patienten an der Vorsteherdrüse bei einer Vergrößerung durch die Harnröhre oder bei Steinen in der Niere und Harnleiter sowie Genitalwarzen behandelt.
Nierenkrebs
Nierenkrebs ist unter den als bösartig eingestuften Tumoren relativ selten (ein bis 2 Prozent aller bösartigen Tumoren). Von 100.000 Einwohnern trifft es neun. Männer sind bis zu 3- bis 4-mal häufiger betroffen als Frauen. Der Altersdurchschnitt der Patienten bei der Diagnose der Krankheit liegt zwischen 50 und 60 Jahren. Risikofaktoren sind hohes Alter, Rauchen, chronische Niereninsuffizienz, langjährige Einnahme von Schmerzmitteln, Cadmium- und Bleibelastung und angeborene Nierenerkrankungen. Nierenkrebs wird oft nicht mehr nur durch die gängigen Symptome des Patienten wie Blut im Urin oder Flankenschmerz festgestellt, sondern durch einen Zufallsbefund bei Untersuchungen wie dem Ultraschall oder der Computertomographie.
WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität, Abteilung Urologie
Priv.-Doz. Dr. Hagen Loertzer, Telefon 0551/39-22641, Fax 0551/39-22213
hagen.loertzer@med.uni-goettingen.de, www.urologie.uni-goettingen.de
© Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0551-39-9959, presse.medizin@med.uni-goettingen.de
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