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Immer mehr junge Leute und Studenten überschuldet

Jeder zwölfte junge Erwachsene kann auch in absehbarer Zeit seine Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen und gilt als überschuldet und zahlungsunfähig. Vor allem junge Leute unter 30 Jahren geraten in die sogenannte Schuldenfalle wie die Auskunftei Creditreform in einer Studie erhoben hat. Zwar waren im vergangenen Jahr nach den guten Wirtschaftsjahren von 2005 bis 2008 weniger Bürger verschuldet als in den Vorjahren, doch der Trend höchster Schuldnerquoten nimmt rapide zu.

Immer mehr junge Leute und Studenten überschuldet

Immer mehr junge Leute und Studenten überschuldet

Nach Städten wie Essen mit 11,99 Prozent Überschuldeten kommen unter Städten mit über 400 000 Einwohnern nur noch Berlin mit 12,16 Prozent, Dortmund mit 12,63 Prozent, Bremen mit 13,11 Prozent und Duisburg mit knapp 14 Prozent. Im Schnitt drückt den Überschuldeten jungen Erwachsenen eine durchschnittliche Kreditlast von 37 000 Euro. „Arbeitslosigkeit und Scheidung sind Hauptgründe dafür, dass junge Leute in die Überschuldung abrutschen“, gibt Pacemark Finance – Sprecher, Christian Fischer, als Hauptursache von Überschuldung an.

Die Pacemark Finance GmbH ist ein auf Überschuldung spezialisiertes Dienstleistungsunternehmen, welches bei Schulden, Insolvenz und Zwangsversteigerung betroffenen Schuldnern seriöse Hilfe bietet. Dass immer mehr junge Leute über ihre Verhältnisse leben, erklärt sich auch mit falschen Vorbildern in den Familien. Der Kauf von Konsumgütern auf Kredit sei inzwischen normal geworden: Mit 18 die erste Kreditkarte, dann der Elektronik-Großeinkauf, danach mehrere hundert Euro Handy-Kosten pro Monat.

Studium auf Pump

„Schon in den Schulen müsste der Umgang mit Geld intensiv gelehrt werden“, meint Fischer. Zudem seien junge Erwachsene gefährdeter, arbeitslos zu werden, als ältere – dann bricht das Finanzgerüst zusammen. Aber nicht nur junge Erwachsene allgemein trifft die Verschuldung, sondern auch und insbesondere die Studenten und Studentinnen, denen Studentenkredite leicht zugänglich und schmackhaft gemacht werden. Die Studienfinanzierung, auch als Studentenkredite oder Studienkredite bezeichnet, sind längst Normalität und Lockmittel der finanzierenden Banken geworden. Immer häufiger nutzen Studierende nicht nur die Möglichkeit des BAföG, sondern stocken ihr monatliches Budget mit Hilfe eines weiteren Darlehens auf.

Für Krisenmanager und Insolvenzberater ist das allerdings nicht der Königsweg. Sie warnen eindringlich, denn Studentenkredite bergen immer häufiger die Gefahr der Überschuldung. In den letzten Jahren hat die Zahl der Studentenkredite rapide zugenommen und die Schuldenhöhe am Ende einer voll ausgenutzten Studienzeit kann mitunter enorme Ausmaße annehmen. Bei einer durchschnittlichen Studienzeit von 14 Semestern und der vollen Ausschöpfung eines möglichen Kreditrahmens steht der Kreditnehmer am Ende seiner Studienzeit mit möglicherweise 50.000 Euro bei Banken im Minus. Werden Beitragsdarlehen und Studentenkredit genutzt, steigt die Kreditsumme sogar auf bis zu 70.000 Euro. Doch auch wer nicht die Höchstsummen ausschöpft, steht am Ende seines Studiums nicht selten vor seinem ersten Schuldenberg.

Insolvenzentwicklung ab 2004

Insolvenzentwicklung ab 2004
Bild: © Creditreform

„Wer überschuldet ist, hat oft keine Ahnung mehr, wieviel Kredit er überhaupt hat. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele betroffene den Kopf dann in den Sand stecken“, sagt Fischer. Dies ist jedoch falsch. „Als seriöses Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen bei Überschuldung raten wir jedem, der sich der Realität stellt, sich professioneller und vor allem seriöser Hilfe bei Überschuldung anzunehmen“. Die Lage ist verzwickt, denn das Studium an sich ist keine basierende Garantie für einen gut bezahlten Arbeitsplatz in der Zukunft. Was passiert, wenn nach dem Studium erst einmal die Arbeitslosigkeit droht oder der Student oder Studentin zunächst einen schlecht bezahlten Job annehmen muss? Dies kommt immer häufiger vor.

Auf der anderen Seite sind viele Studenten ohne Studentenkredit gar nicht in der Lage einen Studienplatz anzunehmen. Ein echtes Dilemma für viele Studierende. Die Eltern können ihre Kinder gar nicht in solch einem Ausmaß finanziell unterstützen, so dass das monatliche Budget ohne jegliche Kredite und Beihilfen für ein Studium nicht ausreichen würde. Fischer warnt vor einem solchem Kreislauf und rät den jungen Menschen und Studierenden wachsam zu sein, wenn es darum geht, ein Kreditangebot anzunehmen oder abzuschließen. Die KfW-Bank vergibt die Studienkredite ohne Anspruch auf ein bestimmtes Studienfach. Das bedeutet, dass theoretisch jeder einen Studienkredit beantragen kann, auch wenn die Chancen auf einen späteren Arbeitsplatz schlecht stehen. Außerdem ist der Studentenkredit der KfW-Bank variabel verzinst, so dass sich die Zinsen im Laufe der Zeit verändern und somit steigen können. Ob die Überschuldung von Studenten zu einem Massenphänomen werden wird, kann noch niemand genau vorhersagen. Tatsache wird jedoch sein, dass das Problem der Überschuldung mit der steigenden Anzahl der Studenten künftig zunehmen wird.