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Kinder im Nordosten erhalten mehr Antibiotika

Ob einem Kind ein Antibiotikum verschrieben wird oder nicht, ist in Deutschland auch abhängig vom Wohnort: Kinder im Nordosten Deutschlands erhalten doppelt so häufig Antibiotika wie Kinder in Süddeutschland. Das belegt der “Faktencheck Gesundheit” der Bertelsmann Stiftung auf www.faktencheck-antibiotika.de.

Kinder im Nordosten erhalten mehr Antibiotika

Die Zahlen zeigen auch, dass Kindern insgesamt mehr Antibiotika verordnet werden als Erwachsenen. Bundesweit wird jedem zweiten Kind zwischen drei und sechs Jahren mindestens ein Antibiotikum pro Jahr verschrieben – deutlich mehr als Erwachsenen.

Verordnung ist nicht immer sinnvoll und notwendig


Das Internet-Portal “Faktencheck Gesundheit” weist medizinische Behandlungsgebiete auf, bei denen es große regionale Versorgungsunterschiede gibt. Der heute veröffentlichte Faktencheck “Antibiotika-Verordnungen bei Kindern” befasst sich mit der Verordnungspraxis von Antibiotika für Kinder und Jugendliche. Eine interaktive Deutschland-Karte offenbart, wie viel Prozent der Kinder im Jahr 2010 ein Antibiotikum verordnet bekommen haben. Dabei werden alle 412 deutschen Stadt- und Landkreise berücksichtigt. Grundlage der repräsentativen Untersuchung waren Versicherten-Daten der BARMER GEK.

Mit Antibiotikum gegen Virusinfekte


Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersuchte Prof. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen die möglichen Hintergründe, Ursachen und Folgen der Verordnungspraxis. Besonders häufig werden Antibiotika danach bei akuter Mittelohrentzündung, fiebriger Erkältung und Grippe eingesetzt. Da es sich hierbei aber meist um Virusinfekte handelt, helfen Antibiotika vielfach nicht. Sie wirken gegen bakterielle Keime. Deshalb besteht auch die Gefahr, dass die Mittel bei zu häufiger und unnötiger Einnahme keine Wirkung mehr zeigen, wenn sie wirklich notwendig sind. Bereits jetzt stellen gegen Antibiotika resistente, bakterielle Erreger in Krankenhäusern ein großes Problem dar.

Ärztliche Leitlinien mehr beachten


Antibiotika sollten daher bei Atemwegsinfektionen und Mittelohrentzündungen nur gemäß den geltenden medizinischen Leitlinien verordnet werden. Die Auswertung zeige, dass verschiedene Facharztgruppen sehr unterschiedlich verschreiben, bemerkt Stefan Etgeton: “Bei nicht eitrigen Mittelohrentzündungen, bei denen Antibiotika laut Leitlinien nur in Ausnahmefällen angezeigt sind, verordneten 33 Prozent der Hausärzte Antibiotika, aber nur 17 Prozent der Kinderärzte und 9 Prozent der HNO-Ärzte. Bei Lungenentzündung, wo die Verordnung von Antibiotika angezeigt ist, waren es 80 Prozent der Kinderärzte, aber nur 66 Prozent der Hausärzte.”

Patiententipps zum Umgang mit Antibiotikum


Der “Faktencheck Gesundheit” macht eine Reihe von Vorschlägen zur Eindämmung dieser Praxis: stärkere Beachtung der ärztlichen Leitlinien, Neuentwicklung einer übergreifenden Leitlinie und bessere Aufklärung der Patienten und bietet dazu Patiententipps und Informationsmaterialien.